Gelenkmanschetten wechseln

Baugruppe: Antrieb
Autor: Andi

Schwierigkeitsgrad: schwer
Spezialwerkzeug: ja

   






Eines der Verschleißteile von frontgetriebenen Fahrzeugen, wie dem Seat Marbella und Terra, sind die Gummimanschetten, die die Gelenke der Antriebswellen vor eindringendem Wasser und Schmutz schützen. In der Regel finden sich pro Antriebswelle 2 Gummimanschetten, eine direkt am Getriebe, und eine am Rad. Da die Manschetten radseitig stärker mechanische beanspucht werden, verschleissen diese meist schneller, als die getriebeseitigen. Die Manschetten sollten bestenfalls schon ausgetauscht werden, wenn der Gummi anfängt spöde zu werden und die ersten, feinen Risse zu erkennen sind. Wer längere Zeit mit zerrissenen Manschetten herumfährt, riskiert, daß die Gelenke durch das eindringende Wasser zerstört werden.
Benötigtes Werkzeug:
-Wagenheber, und Unterstellböcke
-Radkreuz und evtl. ein Drehmomentschlüssel
-eine Werkbank mit einem vernünftigem Schraubstock
-Umschaltknarrenkasten (Ratsche) 1/2", incl. 30er Nuß
-ein Stück Rohr, mind. 50cm lang
-Schraubenschlüssel 10, 13, 17, 19, Ring gekröpft, oder Ring/Gabel
-Umschaltknarren-Kasten (Ratsche), 1/4"
-Seegerring-Zange für Außen-Seegerringe (auch 'Federringe' genannt)
-Seitenschneider, Kombizange
-Stahlbürste
-Ablaßwanne
-Trichter
-altes Gebinde für Altöl
-bei Bedarf Arbeitshandschuhe
Benötigtes Material:
-flüssige Schraubensicherung
-jede Menge Putztücher
-das richtige Getriebeöl
-je nach Bedarf ein, oder zwei Sätze mit neuen Gummimanschetten
-Bremsenreiniger
-Rostlöser/Kriechöl




Zuerst den Wagen auf einem festen, ebenen Untergrund parken. Evtl. vorhandene Radkappen entfernen. In der Kreismitte der Radschrauben befindet sich eine große Mutter (SW 30), welche die Antriebswelle radseitig befestigt. Die muß weg!
Wenn bei Deinem Wagen noch eine sog. Halsmutter verbaut ist (
d. h. der obere Rand der Mutter ist an einer Stelle in eine Kerbe in die Welle 'hineingebogen'), so mußt Du diese zuerst aufstemmen (d. h. diese Delle wieder zurück biegen). Dann eine große Ratsche mit einer 30er Nuß auf die Mutter aufsetzen, und im Gegenuhrzeigersinn die Mutter aufdrehen, und entfernen. Aus Erfahrung weiß ich, daß diese Muttern meist schwer aufzuschrauben sind. Doch getreu dem Spruch: "unendlich ist des Schlossers Kraft, wenn er mit langem Hebel schafft" behelfe ich mir mit einem Rohr, daß ich über den Griff der Ratsche stecke, um den Hebel zu verlängern. Bitte nicht anwenden, bei Werkzeugen aus dem 1-Euro-Shop!! Diese Methode hat sich bei mir bewährt, da meist selbst starke Schlagschrauber nicht mit diesen Muttern fertig werden!
Danach die Radmuttern lösen, Wagen aufbocken, und Rad entfernen. Das Bild zeigt den Wellenstumpf bereits ohne Mutter.


Die Antriebswelle ist auf der Getriebeseite nur ins Getriebe gesteckt, allerdings ist die innere Gummimanschette mit einem Metallring und 3 6er Schrauben am Getriebe befestigt. Um die Welle später aus dem Getriebe zu ziehen, mußt Du die 3 Schrauben entfernen (SW10). Auf dem nächsten Bild habe ich die Position des Rings markiert. Nach dem Lösen des Rings, spätestens aber beim Herausziehen der Welle aus dem Getriebe wird, je nach dem wie weit das Auto aufgebockt ist, Getriebeöl aus dem Getriebe tropfen. Deshalb ist es sinnvoll vor dem vollständigen lösen der inneren Manschette vom Getriebe eine Ölwanne unter zu stellen. Sollten größere Menge Öl auslaufen, so muß das ausgelaufene Öl im Getriebe wieder ersetzt werden (siehe dazu auch meine Beschreibung 'Getriebeöl tauschen'-->)

Laut der Anleitung im RLF und diversen Handbüchern sollen der Querlenker und der Stabilisator komplett entfernt werden - was ich bei der ersten Seite auch tatsächlich getan habe. Wenn Du das auch machen willst, solltest Du Dir einen sog. Spurstangenabzieher ausleihen, falls nicht vorhanden. Es geht aber auch einfacher, nämlich...


...in dem Du (wie ich auf der anderen Seite) nur den Querlenker hinten, und den Stabi vorne losschraubst, und dann beides zusammen mit dem Federbein zur Seite wegdrückst. Dann kannst Du die Antriebswelle zuerst radseitig, und dann getriebeseitig aus ihrem Sitz "befreien". 
Zwei Tips:
-Da sich alle zu lösenden Schrauben unterm Auto befinden, ist es sinnvoll, die Gewinde vor dem Lösen der Muttern mit einer Drahtbürste zu reinigen, und mit Kriechöl einzusprühen.
-Beim Entfernen der Welle muß mit 'Kraft' gearbeitet werden. Um seine Hände vor "AUA´s" zu schützen, lohnt der Einsatz von Leder-Arbeitshandschuhen.



So sieht so eine Welle dann im ausgebauten Zustand aus. Vorne gut zu erkennen der Wellenstummel mit der Verzahnung (außenseite), und hinten, am anderen Ende kann man die innere Manschette mit dem Manschetten-Haltering erkennen. Der Ring, der sich auf der Außenseite befindet, ist nur auf die Welle aufgesteckt.
Diesen Ring nicht verlieren! Einbaulage merken! Beim Montieren der Wellen nicht vergessen!



Leider ist das Foto ein wenig unscharf, aber bei genauer Betrachtung erkennt man schon die feinen Risse auf der Innenseite der Manschette. Um das alte Teil herunter zu bekommen, müssen zuerst die 2 Metall-Schlauchbinder mittels Seitenschneider entfernt werden. Dann die Manschette von der Außenseite nach innen schieben und ggf. umstülpen, damit man an das Gelenk herankommt. Vorsicht, den unter der Manschette befindet sich jede Menge Kugellager-Fett, daß man am Besten mit Putztüchern entfernt. Dies hat nicht nur einen ästhetischen Hintergrund, sondern ist auch notwendig, damit man den Sicherungsring findet, der das äußere Gelenk auf der Welle hält (...ich mußte eine Weile suchen, da dieser Ring leider in keinem Handbuch vernünftig abgebildet ist...).



Zum Abziehen des Gelenks ist es von Vorteil, die Welle stehend, in den Schraubstock einzuklemmen, so daß die Welleninnenseite nach oben zeigt. Die Welle am Gelenk oberhalb des vor zwei Bildern lila markierten Rings spannen.
Die Klinge des Schraubenziehers zeigt hier nun auf die offenen Enden des Sicherungsrings. Diese biegt man nun mit einer Seegerring-Zange auf, während man die Welle nach oben heraus zieht. Wenn man erfolgreich war, hält man nun die Welle mit der alten Manschette in Händen, während das Gelenk noch im Schraubstock steckt.



auf dem linken Foto nochmals das im Schraubstock eingespannte, von der Welle getrennte Gelenk. Jetzt besonders gut zu erkennen der alte Sicherungsring. Diese kann man entfernen, da bei der neuen Antriebswellen-Manschette normalerweise auch noch ein neuer Sicherungsring, zwei neue Schlauchbinder, und eine Tube Fett mit dabei ist.
Die alte Manschette jetzt von der Welle entfernen, und den kleinen Schlauchbinder, die neue Manschette, und den großen Schlauchbinder wieder auf die Welle schieben. Den neuen Sicherungring so wie den alten (siehe Foto links) auf die Bohrung des Gelenks legen. Dann Ring wieder mit der Seegerring-Zange aufbiegen, und die Welle wieder ins Gelenk schieben.
Jetzt kommt noch eine Sauerei: Das Fett aus der Tube unter die Manschette ins Gelenk drücken, ...



...und dann die Manschette über das Gelenk streifen (sieht dann so aus). Die Enden der Manschette mit den neuen Schlauchbindern sichern. Der Einbau der Welle erfolgt dann in umgekehrter Reihenfolge wie der Ausbau. Alle Muttern sollten durch neue Muttern ersetzt werden! Dies betrifft vor allem die große Mutter der Antriebswelle. Diese Mutter der Antriebswelle wieder mit genug Drehmoment (216Nm) festziehen.